Das Akteursspektrum

Der Sektor der erneuerbar erzeugten Wärme ist durch ein ausgesprochen heterogenes Akteursfeld geprägt. Das Forschungsprojekt erfasste das Spektrum der Akteure und Akteursgruppen, die seit 1990 am Innovationsprozess beteiligt waren, und ging der Frage nach, wie sich Akteursinteressen institutionalisiert haben, welche Interessensüberschneidungen, aber auch welche Konflikte bestanden, welche Akteursnetzwerke und Koalitionen eine Rolle spielten und ob sie den Prozess vorangetrieben oder gehemmt haben.

Relevante Akteure und Akteursgruppen

Die Akteursanalyse erfasste zum einen das Spektrum der politischen und administrativen Akteure auf Bundes- und Länderebene aus den Bereichen Forschung, Umwelt und Wirtschaft, sowie die Kommunen, die ebenfalls eine wichtige Rolle für die Umsetzung der Klimaschutz- und Energieeffizienzziele im Wärmebereich spielen.

Hinzu kommen Forschungseinrichtungen, die besonders zu Beginn des Innovationsprozesses einen wesentlichen Input für die Technikentwicklung geleistet haben und diesen Prozess zum Teil noch heute begleiten. Darüber hinaus wurden Einrichtungen für den Wissenstransfer wie Energieagenturen und Beratungsstellen betrachtet, die ein wichtiges Bindeglied zwischen Forschung und Anwendung darstellen und maßgeblich zur Verbreitung innovativer Erkenntnisse und Lösungsansätze in den verschiedenen Anwendungsfeldern beitragen.

Eine dritte Gruppe sind die am Wertschöpfungsprozess der erneuerbaren Wärmeerzeugung beteiligten Produzenten, Anlagenhersteller und Installateure sowie kommerzielle Wärmelieferanten. Dazu gehören auch Betreiber von Heizkraftwerken und Wärmenetzen sowie Contractoren („Contracting“-Anbieter). Diese Wertschöpfungskette umfasst im Fall der biogenen Festbrennstoffnutzung (Holz) nicht nur die Primärholzproduzenten und Brennstoffverwerter, sondern auch die Interessen der konkurrierenden industriellen Holzverwertung.

Die Erneuerbare-Energien-Wärmebranche wird seit den 1970er Jahren durch ein breites Spektrum von Verbänden repräsentiert. Die Akteursanalyse verfolgte den Institutionalisierungsprozess, nachfolgende Verbandsfusionen und die Bildung von strategischen Koalitionen. Dabei behielt die Akteursanalyse die Entwicklung des Stellenwertes erneuerbarer Wärmeerzeugung im Zeitverlauf im Blick. Den bislang dominanten Gegenpol zur Branche der erneuerbar erzeugten Wärme bilden die Akteure des konventionellen, auf fossile Energieträger ausgerichteten Wärmemarktes, wie Brennstoffhändler (Gas, Öl) sowie Gas- und Ölheizungsanlagenbauer. Sie verfolgen andere Strategien der CO2-Minderung und bilden mit ihren Verbandsvertretungen ein mächtiges Gegengewicht.

Die Zahl der Anwender bzw. Wärmeabnehmer ist hoch. Zugleich ist das Spektrum der Interessen der Privathaushalten, die teils Eigentümer, teils Mieter von Häusern oder Wohnungen sind, vielgestaltig. Je nach Eigentümer- und Kostenverteilungsstruktur divergieren deren Interessen erheblich. Die Entscheidung für eine Anwendung erneuerbarer Wärmetechnologien hängt von zahlreichen individuellen Einflussfaktoren ab, die es im Rahmen der Schaffung von ordnungsrechtlichen Regelungen und Anreizstrukturen zu beachten gilt.